5. II 2047
Der Wind weht beständig. Du schreibst, programmierst, photoshopst und es geht immer weiter. Das gestern rinnt Dir durch die Finger wie Wasser. Nur ein paar Kristalle Eis bleiben. Und schmilzen in Deiner kalten Hand.
Das Faktische erhebt nicht nur seine normative Macht über Dich sondern auch eine Art Selbsterhaltungstrieb, eine Evolution des Seienden. Was in Dir ist, worin Du steckst, was Du tust, was Du bist, wird von alleine mehr, nur weil es ist. Segelst Du eine Weile nach Osten, beginnt das Schiff zu lernen und zieht dich immer weiter nach Osten und deine Gedanken kreisen immer mehr um den Osten und richten sich schließlich völlig auf den Osten, die anderen Himmelsrichtungen verblassen, verschwinden.
Du faltest die Tastatur und das Display zusammen und steckst beide in deine Hosentasche. Um auf dem vereisten Deck nicht auszurutschen hälst Du dich man der Reling fest und blickst über den Bug nach Osten. Schon bald wird die Sonne aufgehen und der jetzt noch schwache Wind wird die großen weißen Segel füllen wie weiche Kissen. Leise schleicht Eure weiße Yacht durch die Nordostpassage, am Horizont Eisberge, wie Breadcrumbs. Neben Dir steht Brightshield mit Kaffee. „Wir werden etwas Neues schaffen. Voran!“ Du nickst und korrigierst den Kurs ein wenig. Ein paar Tage noch, vor euch liegt die Beringsee und dahinter Japan. Hinter Euch liegen die sieben Jahre im Systemkrieg und Sealand.
Schreibe einen Kommentar